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theaterallrounder

Donnerstag, 14. Januar 2010 esto

Pausenintermezzo

Herber Rückschlag oder das Das-da-Brot  pain francais.jpg

Gerade in den letzten Vorbereitungen zur Veröffentlichung meines „WIE BITTE?!“, eine Gebrauchsanweisung für singende Sprachbenutzer“, das ich mit der missionarischen Absicht verfasst habe, singenden Deutschmuttersprachlern korrektes Umgangsdeutsch, und auch die einfachsten Ausspracheregeln unserer Anrainerstaaten (auch Bayern) nahe zu bringen, trifft mich Folgendes hart:

In Kiel gibt es ein musiculum, eine fabelhafte pädagogische Einrichtung, aber darum geht es nicht. Bei diesem gibt es eine fabelhafte französische Bäckerei, und nach dem Motto „tous nos pains sont français“ tragen daselbst die Brote alle fabelhafte französische Namen, so wie „pain polka“ oder „pain bûcheron“ oder auch „gâche de normandie“… Und wenn man nun all seinen Mut zusammennimmt und mit leicht südfranzösischem Berliner Akzent ein peng büscherong verlangt, bekommt man ein strahlendes Lächeln, und mit einer Rundumgeste fragt die Verkäuferin : Meinen Sie das da? Die Dame versteht nämlich leider kein Französisch… Also das nächste Mal am besten gleich wie beim Vietnamesen, einfach die Nummer. Auch Japan pflegt ja die gastfreundliche Sitte in einem Fenster Plastikrepliquen der Speisen zu präsentieren, so dass es für den Koch keine Ausrede gibt. So des ne! Das ist nicht etwa schwäbisch oder baierisch (ja, die Sprache schreibt man nicht mit y!), sondern heißt tatsächlich auf japanisch:

so ist das!

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Mittwoch, 13. Januar 2010 esto

Es darf wieder gedrückt werden

Um jedem Missverständnis vorzubeugen: es handelt sich hier allenfalls um die Droge Theater. Das Drücken bezieht sich auf die verblüffende Erfahrung, die im Kompakt-Seminar „Fit auf den Punkt, Kondition und Konditionierung für den Auftritt“ vermittelt wird, dass sich mit Pressur, Massage und Selbstinstruktion eine Integration und Optimierung aller mentalen, emotionellen und physischen Potentiale bewirken lässt.

chster Termin: 30.01.10 in HH. Das Ritual

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Donnerstag, 23. Oktober 2008 esto

Heyheyhey

 

 

 Da kommt Freude auf: der Schottverlag präsentiert zur Frankfurter Buchmesse den „Kleinen Hey“ multimedial auf DVD! Endlich, zeugt das doch von großem Respekt vor deutscher Gelehrtentradition und schöner Kontinuität der Methodik deutscher Stimm- und Sprecherzieher.

 Der „Kleine Hey“ ist ohne Zweifel ein hochinteressantes historisches Dokument. Was seine didaktische Relevanz 2008 ausmacht ist allerdings eine andere Frage.

Der  „Kleine Hey“ ist ein Zusammenschnitt von Julius Heys dreibändigem Werk „Deutscher Gesangsunterricht“, das keiner kennt, und entstand um die vorletzte Jahrhundertwende. Fritz Volbach hat  in seiner Neuausgabe 1912 die „notwendig gewordenen Umarbeitung der stimmphysiologischen Grundlagen“ vorgenommen. Nach welchen Kriterien Fritz Reusch 1971 seine Neubearbeitungen und Ergänzungen vorgenommen hat, ist schwer nachzuvollziehen: die späten Sechziger waren nicht gerade eine Zeit des sprachlichen Schwulstes und des Pathos. Ein Satz wie:

„Der Vokal A ist der Inbegriff des Lautlichen“

konnte auch damals unschwer als Gewäsch entlarvt werden. 

Rückblende

Ort: Staatliche Hochschule für Musik, Abteilung „Darstellende Kunst“ Zeit: 1559, Sprecherziehung in der Gruppe.  Sieben Schwaben (und einige Randbewohner des süddeutschen Raumes) zelebrieren chorisch Heyverse. 

 Barbara saß nah am Abhang…Nah dem Hage Tannen schwanken…Alle waren arme Waller…

 Man muss wissen, dass der eingeborenen Schwabe weder über akustische noch motorische Muster zur Erzeugung des Lautes verfügt, den die „Deutsche Hochlautung“ als Vokal A bezeichnet. Andererseits gilt es als wissenschaftliches Faktum, dass nach dem zwölften Lebensjahr neue Sprechmuster nur mit größter Mühe erlernt werden können. Wir waren zwischen siebzehn (Brandauer) und zwanzig (Bahr) Jahre alt, ja , dabei war auch noch die Neidhardt, nachmals die Starregisseurin Australiens, die Brugger, die Üllner, Heeg, Grüber, Einbrodt, und davor die Boettcher und die Bruck, ja und eben Storz, die da das Deutsche als erste Fremdsprache lernten… und wir waren uns schnell einig, dass Probleme in der Phonation und der Phonetik nicht durch  motorisches Wiederholen und das Aufsagen von schnurrigen Verschen zu korrigieren sind… da kann man Barbara noch so lange am Abhang sitzen und die Tanne schwanken lassen.

Wenn ein Schwabe, wie weiland Friedrich von Schiller in seinen Räubern, von seiner „unsterbliche Seele“ spricht, dann spricht er das Sääle aus, weil Seele für ihn ein kleiner See ist. Er lernt in der Schule in vermeintlichem „Schriftdeutsch“, dass es äär, sie (mit stimmlosem S). ees heißt… man muss ihm sagen, einmal, dass es nicht feschte Ärde heißt, dass sein geschlossenes E zu eng und gespannt und sein offenes E zu offen ist, und dafür seine individuellen Hör- und Sprechmuster korrigieren. Das motorisch-mechanische Aufsagen von:

Es streben der Seele Gebeteden helfenden Engeln entgegen

ist da wenig hilfreich.Und die Anweisung „Bei offener Mundstellung sollen die Endsilben mit gleicher Betonung wie die Akzentsilben gesprochen werden“ hat Hey zwar von Goethe (Anweisung an die Schauspieler 1803), aber sie ist heute eine Todsünde, weil dabei völlig falsche Phoneme zur Gewohnheit werden. Man muss es Hey nicht übelnehmen, dass er u.a. das Ü für einen dunklen Vokal hielt, und im Vokaldreieck an eine völlig falsche Stelle setzte, oder dass er den velaren Verschluss als Berührung von „Zungenrücken und hartem Gaumen“ beschrieb. Das ist peanuts. 

Richtig ärgerlich sind Passagen wie S.84:

 „Der natürliche Atemrhythmus beginnt nicht mit der Einatmung, die unbewusst erfolgen soll, sondern mit der bewussten Ausatmung. (Darauf deutet schon hin, dass der neugeborene Erdenbürger sein Erdendasein mit dem Schrei=Ausatmung beginnt!) Der durch die verlängerte Ausatmung verursachte Sauerstoffhunger des Blutes soll die Einatmung auslösen.

 Ende Zitat (Klammer und Rufzeichen wohl von Reusch) Auf diesem „Gedankengut" basiert vermutlich das Statement eines gewissen Herrn Andreas Mohr, das  auf dem XI. Kongress des Bundesverbandes Deutscher Gesangspädagogen (!!!) in Freiburg i. Br. 1999 unwidersprochen gemacht wurde (und so im Internet zu lesen ist.) 

 Wenn das Kind geboren wird, löst sich im Geburtsschrei der Totalverschluß der Stimmfalten. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Kindes auf Lungenatmung umgestellt und die Stimmfalten werden ihrem neuen Zweck zugeführt. So ist der Geburtsschrei gleichzeitig auch die erste Erfahrung des Neugeborenen mit seiner Stimme.

 Ende Zitat. Zur Orientierung  eine kleine Zusammenfassung der geltenden medizinischen Lehrmeinung: Die Lunge ist beim Ungeborenen angefüllt von einem Gemisch aus Drüsensekret, salzhaltiger Flüssigkeit und dem Surfactant. Erst während des Geburtsvorgangs,  bei der Passage durch den Geburtskanal wird der Thorax extrem zusammengepresst  und dadurch die Flüssigkeit teilweise aus der Lunge abgepresst, (Anm.d.Verf. : von einem „Totalverschluss“ kann also nicht die Rede sein),- restliche Mengen werden über Blut- und Lymphwege abtransportiert. Beim Austritt aus dem Geburtskanal weitet sich der Thorax des Neugeborenen und dadurch kommt es reflexartig zu den ersten, sehr mühsamen Einatmungen, durch die sich die Alveolen (=Lungenbläschen) entfalten. (Wird das Kind durch Kaiserschnitt geboren, muss dieser Vorgang künstlich eingeleitet werden, (Anm. d.Verf.) Und dann kann der Säugling schreien, aber die Befürworter der „sanften Geburt“ haben längst bewiesen, dass er nicht muss. Der „Geburtsschrei“ ist eine durchaus verständliche Reaktion des Säuglings auf das rüde Verhalten ungeduldiger Geburtshelfer! Und sollte das „die erste Erfahrung des Neugeborenen mit seiner Stimme“ sein, wie Andreas Mohr meinte,  kann diese nur traumatischer Natur sein… was allerdings vieles erklären würde. Angesichts dieser Sachlage kann man Hey/Reuschs und Mohrs Einlassungen gelinde gesagt als Bockmist bezeichnen. 

Für den Stimm-und Sprechlehrer mag der „Kleine Hey“ immer noch eine Quelle der Inspiration sein; eine nicht revidierte Neuauflage, die ja wohl für ein breites Publikum gedacht ist, und die suggeriert, dass es sich da um gültigen Lehrstoff handelt, ist eine Katastrophe. Aber, und das gebe ich neidvoll zu:

 Eine heilige Kuh, die man nach über hundert Jahren noch melken kann, ehrt ihren Züchter.

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Dienstag, 20. November 2007 esto

Lasst es klingeln

Klingeln gehört zum Beruf, sich quasi selbst an die große Glocke hängen, den Schellenbaum scheppern lassen, bei den Agenturen anklingeln, bis die Leitungen schmelzen… versteht sich, aber neuerdings soll es in der Stimme klingeln, sagen die voicemasters in den Foren. Hm, wie kam das? Nun, was eine dramatische Stimme attraktiv macht ist der italienische squillo, das ist der Peng, mit dem eine Glocke angeschlagen wird, und so nannte man das auch mal nonchalant… und George Frederic Handels Italoengländer übersezten das mit "ring" ins Englische. The doorbell rings… die Türglocke läutet… richtig, und weil die heute klingelt oder scheppert, bekommen wie das so reimportiert. Haben wir das verdient?Yell

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Sonntag, 4. November 2007 esto

rennt,Kinder,rennt

 Vierzig Jahre am Bau, Altbau, Neubau…und irgendwie ist mir entgangen, seit wann man beim Applaus im Schauspiel grundsätzlich rennt. Da sehe ich den jugendlichen Antihelden geradezu artistisch virtuos tragisch dahinsterben, und dann kommt er angerannt als wolle er mir bedeuten: ernst war die Kunst, doch heiter ist das Leben… und die beiden Königinnen von England respektive Schottland, aus den Nullgassen aufeinander zu, dass man das Schlimmste befürchtet, aber nein, wie  Eisartisten kratzen sie die Kurve, und setzen zu einer korrekten Siebenachtelverbeugung an, die Hände an der Seitennaht.  Man schenkt sich auch nichts, kein Abschminktuch wird in der Gasse gereicht, man bekennt sich zum theaterblutverschmierten Gesicht und dem blutigen Sauerkirschgeifer…  Ja, auch das ist mir entgangen, ab wann die emanzipierte Sprechtheaterfrau sich geweigert hat, ein wenig die Knie zu beugen. Es muss ja kein Hofknicks wie von einer Rokkokokokotte sein, die in Demutshaltung ihr „es ist serviert- Decolleté“ präsentiert, nein, nur so ein klein wenig die Hände schön am Rock drapiert und…  denn es ist schon etwas irritierend, wenn die Dame aus dem letztendlich von Regisseur doch noch ironisch verpassten Reifrock vorwärts herauszukippen droht. Aber dann, die Herrenriege, Vollverbeugungen mit vollentspannter Armführung fast bis zur Bodenberührung, alles im Laufschritt, alles mit „so was spielen wir mit links und am liebsten gleich noch mal…“ (ist übrigens unter Sir Laurence in London mal vorgekommen, Olivier trat an die Rampe und drohte: wenn sie jetzt nicht aufhören zu applaudieren, spielen wir das Stück noch mal… und sie haben gespielt bis morgens um drei.)  Und dann in Reihe händehaltend noch ein Kollektivschrittchen… und ab im Laufschritt. Sogar fliegende Einzelvorhänge (na ja, Vorhang gibt’s ja keinen…), immerhin, denn die gab es lange nicht… man war Ensemble und alle gleich, gleich was? Nun eben gleich und manche gleicher…Also einzeln, am besten mit einem Kreuzschritt gleich weiterlaufen, das wirkt angenehm uneitel. Man könnte sich vorstellen, dass einfach alle im Kreis rennen, um irgendein Versatzstück herum, wie man das früher beim Triumphmarsch in Aida wegen Personalmangel machte…und wer grade vorn ist darf mal… the running gag, das Theater als Rennstall.   

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Mittwoch, 31. Oktober 2007 esto

Ludwig, der Pennerschreck

Bielefeld hat ein wunderschönes Theater. Es grüßt seine Gäste mit einem eindrucksvollen Panneau in der Empfangshalle des Bahnhofs. Cornelie Isenbürger, stark photoshopverdächtig verfremdet, etwas wie Engelsflügel ziert ihre Schultern,  steht für das Motto der Spielzeit: Helden. Dabei ist der Spielplan gar nicht so heldisch, eher paritärisch, man gibt Doerries „Männer“ gegen Thomas’ „Acht Frauen“; früher machte man das mit „Bernarda Albas Haus“ gegen „Die zwölf Geschworenen“, und natürlich spielt man da "Jekyll&Hyde", weshalb ich da den Heldenvater gebe… aber , ich schweife ab.

Gerade noch vom Hamburger Bahnhof das kleine Flötenkonzert im Ohr, war es Quanz? und in der Meinung,  dass das der Erbauung diene, erbaut, dass man am Tor zur Welt in Hamburg Mään Stää-schen den Gästen aus aller Welt zeigt, dass wir kulturell usw…  aber weit gefehlt: Die deutschen Ordnungsämter haben herausgefunden, dass auf den deutschen Penner klassische deutsche Musik wirkt wie Knoblauch auf den transsilvanischen Vampir. Und Bielefeld schießt den Vogel ab, quasi mit der unfehlbaren Freikugel. Aber Moment.

Ich verlasse die Bahnhofshalle, der Vorplatz wird von Fußballfans dominiert. Irgendwie ist in Bielefeld immer Fußball.  Aber dort, auf der anderen Straßenseite,  zwei pennende Penner im Schlafsack und zwanzig Meter weiter, da, wo der Park beginnt, eine Runde froher Hartzvierzecher… aber dazwischen der pennerfrei gähnende Schlund der Bielefelder U-Bahn, dank „Für Elise“, tagaustagein. Es könnte doch auch mal „Freude schöner Götterfunken“ sein, oder „Seid umschlungen Millionen“, womit man einen Asozialen doch auch empfindlich treffen könnte, aber nein…

Ich weiß nicht, welcher Dämon bewirkt, dass ich immer genau an der Stelle ankomme, wo Beethoven getestet hat, wie oft man eine kleine Sekund wiederholen kann, ohne dass einem… oder damit einem, ich weiß ja nicht,für Elise.jpg wie besagte Elise das empfand.

Ich halte jedes Mal die Luft an, was natürlich völlig unsinnig ist, da es sich um eine akustische Verschmutzung handelt, schiele nach Steinen, um diesen ekelhaften Lautsprecher zu zertrümmern, aber es gibt da keine Steine, Bielefeld ist eine saubere Stadt. Und dann stürme ich mit grotesken Sprüngen die Treppe hinunter, das Laufband, auf das man ja eigentlich stolz sein kann, ist mir viel zu langsam. Keine Sekunde Schnaufpause in der großen Halle, ich brauche kein Ticket, ich habe ICE mit City, und hinab, hinab, zwei Stockwerke bis Gleis vier. —Stille. —Auch kein Zug zu befürchten, die Anzeigetafeln zeigen „Rauchen verboten“.

Und dann male ich mir genüsslich aus , wie ich persönlich den besagten Beamten vom Ordnungsamt an die Wand des U-Bahnschachts anschmiede, aber kein Adler zerfleischt seine Leber, wie weiland dem Prometeus, sondern ich beschalle ihn so lange mit „Für Elise“ bis er wimmernd alle Bielefelder Penner um Gnade anfleht und, was mir persönlich noch mehr am Herzen liegt, dem missbrauchten Ludwig van eine sündteure Kerze weiht…für Elise.

   

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